Trampen …..nach Norden (Teil 1 von Trossingen nach Rödbyhavn)


Inspriert durch einen Bericht in Galileo mit dem Titel “ Mit 100€ ans Nordkap“ erinnerte ich mich an meine eigene Zeit, als ich „mit dem Finger“ gereist bin. Ich schätze so ca. vor 20 Jahren, wurde es immer weniger, man sah kaum mehr Leute an der Straße stehen, die als Anhalter mitfahren wollten. Ich persönlich war früher teilweise genötigt, so zu reisen, zum anderen Teil war es einfach eine Philosophie kostenlos von einem Ort zum anderen zu reisen.

 

Die längste Wegstrecke, die ich je per Daumentaxi hinter mich gebracht habe, war die Distanz von Trossingen nach Kopenhagen, Dänemark , laut Google Maps rund 1100 km, ich runde mal auf, denn wir konnten natürlich nicht den direkten Weg nehmen, sondern mußten uns ein wenig auch immer treiben lassen. Man überlässt sich manchmal auch eben dem Schicksal und lässt sich etwas vom Weg abbringen, wenn auch nur die Richtung, also nordwärts stimmt.

1. Tag

Wir starteten im Sommer 1983 , ich war gerade 16 Jahre alt geworden, in Trossingen. Mein Begleiter war mein Klassenkamerad Götz, etwas jünger als ich. Ich hatte zuvor noch zwei Wochen  in einer Fabrik gearbeitet, während meiner Schulferien, um mir etwas Taschengeld für die Reise zusammenzusparen. Mit ca. 250DM in der Tasche sollte  es dann losgehen in Richtung Kopenhagen/ Dänemark. Dort wollten wir dann bei dem Exfreund von Götz seiner Schwester namens Paul logieren, solange bis er uns dann wieder rauswerfen sollte. Das war sozusagen unsere Grobplanung, den Rest wollten wir eigentlich dem Zufall überlassen.

Also am frühen Morgen die Rucksäcke gepackt, wir hatten beide ca.25 kg Gepäck dabei und dann ran an die Straße. Unser erstes Ziel war erstmal die A81 nach Stuttgart. Ich glaube wir mussten ca. eine halbe Stunde warten, bis uns dann endlich der erste Fahrer mitnahm, meines Wissens war es ein Handwerkerfahrzeug, dort konnten wir unsere Rucksäcke hinten rein werfen und uns in den Laderaum dazu, Sitzplätze gabs keine, aber das war uns in dem Moment erstmal egal; erstmal weg von zuhause , egal wie. Die Fahrt währte dann auch nicht lange, wir konnten mit der ersten Gelegenheit nichtmal Stuttgart erreichen, wir strandeten an einer Autobahnausfahrt in Höhe Rottenburg. Glücklicherweise war das Wetter phänomenal, die Sonne brannte vom Himmel , warmes Sommerwetter, leider waren unser Geränkevorräte schnell erschöpft. Gleichsam erschöpfend war es auch an dieser Auffahrt zu stehen, es kamen kaum Autos vorbei und mal ganz ehrlich , wer nimmt schon zwei Tramper mit Treckingrucksäcken mit, wir hatten damals noch die „Guten“ mit einem Stahlgestell, sehr ungeschickt , um die in einem Fahrzeug zu verstauen, eher dazu geneigt als Malerstaffelei zu dienen.

Irgendwann, wir waren schon nahe am Hitzetod, hat sich dann endlich einer erbarmt und hat uns doch eine große Wegstrecke weitergebracht, das nächste Mal haben wir dann strategisch besser gestanden, wir ließen uns an einer Autobahnraststätte rauslassen, von dort war die Weiterfahrt doch etwas bequemer , da doch eine Menge an PKW hielten und die Ausfahrten damals noch belagert waren mit Trampern; es waren eben andere Zeiten, keine Raststätte ohne Tramper an der Autobahnzufahrt, das war ein normales Bild.

 

Am späten Nachmittag erreichten wir dann Göttingen, wir entschlossen uns dann, dort eine Nacht in einer Jugendherberge zu verbringen und dann am Folgetag weiter zu reisen. Knappe 500 km an einem Tag erschienen uns genug und wir hatten von Göttingen zwei Dinge im Kopf : Altstadt und Studentenstadt, sicher sehenswert. Nachdem wir per pedes endlich den Stadtkern erreicht hatten, wollten wir erstmal schüchtern nach einer Jugendherberge fragen, ein paar Studenten kreuzten unseren Weg und auf unsere Frage wo wir denn eine Herberge finden könnten, luden Sie uns kurzentschlossen zu sich ein in ihre WG. Eine Komilitonin war gerade auf Heimaturlaub und sie überließen uns ihr Zimmer für eine Nacht , unfaßbar!!!!! Und Sie gaben uns dann noch einen Schlüssel, damit wir spätabends wieder reinkamen ohne zu klingeln, wir waren total platt ob des grenzenlosen Vertrauens, das die uns entgegenbrachten.

Wir haben uns dann eingerichtet und unsere Schlafplätze hergerichtet und sind dann mit dem Hausschlüssel los, Essenfassen , wir hatten den ganzen Tag kaum etwas gegessen und wir hatten wirklich einen Bärenhunger.

Wir hatten ja so ein Glück! An diesem Wochenende war Altstadtfest, an jeder Ecke , Imbissbuden und Fressplätze und alles zu Studentenpreisen! Wir genossen wohl das beste Chili Con Carne unseres Lebens ( übrigens mein erstes Chili überhaupt ) und spülten dann den Durst mit ein, zwei Bierchen runter. Wir flanierten durch die Altstadt, gut genährt und zufrieden und irgendwann beschlossen wir dann heim zu gehen und uns schlafen zu legen. Wir schliefenwie die Englein, der erste Tag hatte uns schon irgendwie geschafft.

2. Tag

Erheblich erholt standen wir auf, packten unseren Kram und wollten uns verabschieden und natürlich bedanken. Unsere Gastgeber waren genzenlos gut und luden uns noch zu einem Stärkungsfrühstück ein an Ihrer großen WG-tafel. Es gab alles was man sich nur wünschen konnte und vor allem interessante Gespräche, gemessen an unserem Alter waren die meisten dort ja schon gereifte Erwachsene und aus aller Herren Länder zusammengemixt. Vor allem ein Isländer blieb uns in Erinnerung , er zeigte uns Bilder von einer Demo ( ja damals demonstrierten sie noch ) , dort spazierte er an der Spitze , so wie Gott ihn schuf und demonstrierte für „die Freiheit der grünen Wale “ oder irgendsowas völlig Sinnfreies. Das Motto ist mir zwar im Detail entfallen , ich wusste nur ab diesem Moment , man muß auch für irgendwelchen Unsinn einstehen können.

Wir bedankten uns für die Gastfreundschaft und die wundersamen Einblicke in das Studentenleben und gingen dann unserer Wege Richtung Autobahn.

Finger raus! weiter gings , nächster Halt Hamburg , plötzlich flutschte es nur so , kaum an der Straße waren wir auch schon in Hamburg City , wir kamen im Stadtkern an wurden Zeuge eines Riesen Massenauflaufs, der neue Hamburger Oberbürgermeister wurde inthronisiert oder irgendwas in dieser Form,  mit einem Riesen Trara am Hamburger Rathaus. Es standen eine Menge Limousinen davor und eine Schauspielerin und Sängerin nutzte dieses Tamtam um sich für irgendeine Aktion vor den Limousinen fotografiieren zu lasse: Gitte ! . Sie hantierte dabei mit einem riesengroßen aufblasbaren Globus , der nähere Sinn der Sache blieb uns bis heute verborgen.

Da wir einsahen, daß Hamburg für uns zum übernachten ein schlechtes Pflaster war, entschlossen wir uns weiterzureisen und erreichten am Spätnachmittag noch die Stadt Plön, inmitten der Plöner Seenplatte. Wir aßen am Seeufer einen Snack und liefen danach die Promenade rauf und runter und blieben bei einer Schauspieltruppe hängen, die dort auf der Promenade ein Theaterstück aufführten. Wir unterhielten uns mit den Jugendlichen, die in unserem Alter waren und die luden uns dann ein, die Nacht bei Ihnen auf dem Hof zu verbringen, einem Aussiedlerhof der als Jugendherberge umgebaut worden war. Wir fuhren in ihrem VW Bus mit , eine halbe Ewigkeit durch die Pampa , im Dunkeln bis wir schließlich dort anlangten. Wir konnten unser Nachtlager in einem Gemeinschaftsraum aufschlagen und wurden dann zum Abendmahl gebeten, Jetzt ging uns auch auf was das für eine Gruppe war , ein streng religiöser Jugendzirkel, uns war das vorher nicht aufgefallen. Götz und ich schauten uns an, nicht daß wir etwas gegen Religion gehabt hätten, aber das Gebet vor dem Essen war für uns völlig ungewohnt. und wir dachten wir seien jetzt bei einer Sekte gestrandet.  Gott sei Dank , waren die Jugendlichen doch eben nur Jugendliche und auf einem Nachtspaziergang hatten wir noch ziemlich Spaß ; in einem Anflug von jugendlichem Wahnsinn , nahm ich noch ein Bad in voller Montur in einem der vielen Seen, das hätte ich besser bleiben lassen, den mein Vorrat an Wechselkleidung war gleich Null und ich hatte ziemlich Mühe später meine Klamotten wieder trocken zu bekommen, die Nacht war etwas ungemütlich.

Am kommenden Morgen nach einem Früstück mit Morgengebet^^, ließen uns die Leute wieder in Plön auf die Menschheit los , da das Trampen hier etwas mühselig war und wir bisher wenig Geld verbraucht hatten, kauften wir uns später ein Busticket nach Puttgarden , das liegt direkt an der Küste . Dort angekommen kauften wir uns ein Ticket für die Fahre nach Rödbyhaven, wir haben noch am gleichen Tag übergesetzt, da uns die deutsche Küste nicht so gut gefiel und wir außerdem endlich die deutsche Staatsgrenze hinter uns lassen wollten, das Wetter war fabelhaft und wir setzten mit der Fähre über nach Dänemark. Das erste was wir in Dänemark sahen, zwei Männer brgüßten sich am Pier und  küssten sich inniglich, wir hatten zwar zuvor schon gehört, daß Dänemark viel liberaler war,  was gleichgeschlechtliche Liebe anbelangt, aber ich muß gestehen, das war für uns schon so etwas wie ein Kulturschock, wir dachten damals sicher genau das Gleiche, dafür waren doch die Menschen in erster Linie nicht geschaffen worden, aber man beachte unser Alter und die Zeit, es war eben alles irgendwie anders damals !

Wir bezogen unter diesem Eindruck unser Nachtlager auf einem Campingplatz in Rödbyhavn, wunderschön direkt am Strand gelegen direkt zwischen Sanddünen. Abends blickten wir dann lange aufs Meer , tranken etwas Bier, redeten noch über das Eine und das Andere  und legten uns dann zeitig schlafen.

Ende des ersten Teils ^^

Über Stan

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