Trampen…….nach Norden (Teil 3 Kopenhagen )


Ja am zweiten Tag haben wir erstmal gefrühstückt und unsere Behausung begutachtet, die Nacht war angenehm die Gästebetten auch. Wir fragten Paul, was man denn so in Kopenhagen gesehen haben sollte , da kamen genügend Vorschläge,  Programm für einige Tage .

Wir wollten uns zu allererst das Tivoli anschauen; Tivoli das ist ein Ganzjahres-Vergnügungspark in Herzen von Kopenhagen, meine Erinnerung daran ist stark eingeschränkt , ich meine die größte Hauptattraktion damals waren so drehende Kaffetassen , aber es war wohl noch mehr, wie gesagt es ist halt eben ein Vergnügungspark, wohl einer der ältesten Europas ( seit 1843) .

http://www.coastersandmore.de/bilder/tivoli/tivoli1.php  hier noch ein Link für diejenigen die die Geschichte etwas interessiert.

 

Nun mit Popkorn und Zuckerwatte gesättigt , wendeten wir uns den wirklichen Sehenswürdigkeiten zu , Dinge die wohl einmalig sind auf der Welt und nur in Kopenhagen zu finden sind :

Christiania ; ein eigene Stadt in der Stadt , eine Kommune , selbstverwaltet wahrscheinlich auch deswegen so bekannt weil hier Alt-Hippies sich ein eigenes Reich geschaffen haben mit eigenen Gesetzen. Schon als wir die „Stadt “ betraten , empfanden wir sofort den „Flair“ dieses Stadtteils , auf Bänken boten Händler allerlei Rauschmittel an zum sofortigen Konsum , wir waren natürlich damals in derlei Dingen noch unbedarft und beäugten die Waren mit großen Augen, schließlich wurden hier Dinge feilgeboten , die man in Deutschland nicht straffrei und in solcher Offenheit anbieten könnte, wir waren neugierig und bestaunten alles mit großem Interesse, ohne einen Gedanken darüber zu verschwenden je handelseinig zu werden. Das war nichts für uns …..

Später habe ich festgestellt , daß Christiania , in Bezug auf seine Drogenpolitik nicht so einzigartig war wie ich dachte , in Australien gibt es ein genaues Dependant  , Nimbin an der Westküste, eine ähnliche Hippiehochburg, die sogar jährlich noch ein Fest zelebrieren an denen große Mengen von Marihuana verheizt werden……. wie gesagt damals war das noch nichts für uns und heute wäre der Reiz in diesem Bezug auch nur sehr gering für mich, aber die ganze Atmosphäre schlägt einen doch in den Bann.

http://de.wikipedia.org/wiki/Freistadt_Christiania

 

Für den Abend hatten wir uns vorgenommen eine „All you can eat “ Pizzeria zu besuchen; man bezahlte laut Paul einen bestimmten Obolus und durfte dafür soviel Pizza essen, wie man konnte, wir dachten natürlich “ Oh wie schön , schlemmen bis zum Abwinken “ und der Unkostenbeitrag war für dänische Verhältnisse vollkommen im Rahmen, wir dachten wirklich wir würden dieses Restaurant arm fressen . dachten ja wir dachten ….

Aber wie immer im Leben kommt es anders als man denkt , wir türmten die Pizzas auf unseren Tellern und aßen was das Zeug hielt und bestellten uns jeder einen halben Liter Bier , hmmm etwas teuer in Skandinavien aber hej zur Pizza da musste es Bier sein ……… da die Pizza etwas salzig war , mussten wir den aufkommenden Durst , mit einem weiteren Bier stillen und ehe wir uns versahen saßen wir bereits mit dem 4. Glas Bier da , wir wollten natürlich das Restaurant nicht verlassen bis wir den Wirt arm gefressen hatten, aber es kam ganz anders,  wir verliessen das Restaurant , zwar satt aber um einige Kronen ärmer als wir es uns vorher eingeplant hatten , der Wirt hatte sicher Anteile an einer Salzmine und schlug erfolgreich Kapital daraus; nun das war wohl unserer erste Erfahrung mit der „All you can eat “ – Masche und wir hatten uns wirklich verkalkuliert ^^

Wohlgenährt und abgefüllt begaben wir uns auf den Heimweg , Gott sei Dank war unser Geldbeutel um einiges leichter als zuvor…..Am Folgetag empfahl uns Paul eine Mutimedia Dia show anzuschauen, eine Däne namens Jacob Holdt , hatte ohne einen Cent über einen langen Zeitraum die Vereinigten Staaten bereist und dort viel Zeit verbracht mit den Ärmsten der Armen und den Reichsten der Reichen ( ja er saß auch mal mit Rockefeller an seinem Küchentisch und hatte ein paar Drinks mit ihm ^1)

Da wir nach dem Vorabend Inspiration brauchten in dieser Hinsicht , dachten wir es sei kein schlechter Gedanke uns ein paar Tipps abzuholen , wer weiß ob die uns noch irgendwann mal nützlich sein sollten. Tatsächlich war die Show wirklich eindrucksvoll , Dias von Slums in den Großstädten und auf dem Land , dem Leben der benachteiligten Schwarzen und den reichen Weißen , wir waren damals natürlich dem 70er Jahren etwas näher als heute fast 30 Jahre später aber Holdt hat noch heute einen Internetauftritt der absolut sehenswert ist, wer sich das mal anschauen möchte ist hier richtig :

http://www.american-pictures.com/

 

Eine Story ist mir bis heute noch im Gedächtnis geblieben ; Jacob war damals auf dem Land, er unterhielt sich mit einigen Kindern, das ganze wurde mit Audimitschnitten seiner Unterhaltung mit den Kindern untermalt. Die Kinder lebten in Nachbarschaft zu einer großen Fabrik , die Ihre Produktionsabfälle einfach in die Nachbarschaft leiteten , auf einem großen Bereich sammelte sich diese Kloake , sehr eiweißreich , ich kann mich leider nicht mehr erinnern was die produzierten. Die Kinder aßen diesen „dirt“ . Jacob fragte sie : Do you eat often eat  this dirt ? Die Kindern antworten wie selbstverständlich : Don´t you ??

Schaut euch die Bilder an , Bilder von Junkies , Prostituierten, armen alten Leuten , die jedoch einem Tramp Unterschlupf boten , obwohl sie selber nichts hatten, Menschlichkeit in ihrer Reinform.

Sichtlich geläutert verliessen wir den Showroom, geschockt von den Bildern auf der einen Seite aber mit einem warmen Gefühl im Bauch ob der guten Dinge die ihm widerfahren sind auf seiner Reise, uns war es ja bisher auch nur gut ergangen (abgesehen von dieser All you can eat-sache ^^ )

Für den Abend hatten wir uns nichts vorgenommen und gingen dann nach Hause und hörten die Jazzalben aus Pauls Plattensammlung quer , eine Flasche Wein brachte uns die passende Stimmung .

Leider wurde das Wetter zusehends schlechter und immer wieder ging Regen runter , was uns die Laune auf weitere Erkundungen der Stadt etwas vermieste…… wir besuchten das dortige Jugendzentrum , aber das war nicht viel anders als bei uns , kauften das Nötigste ein und verbrachten einen Regentag zuhause und spielten gefühlte 1000 Mal „Vier gewinnt“ ; da Götz aber wohl ein System hatte und ich dieses Spiel wohl niemals beherrschen werde , wurde mir das aber bald zu eintönig ; auf der Suche nach passender Abwechslung fand ich einen Artikel in der Zeitung, daß am Folgeabend ein Punkkonzert stattfinden sollte, da Götz da nich so der Fan war , beschloss ich alleine hinzugehen.

Nun Punkmusik ist allerortens nicht viel gegensätzlicher, auch die Leute , die sich dort einfinden sind auf Ihre Weise eine eingeschworene Gesellschaft , ich habe den Abend genossen und die Bekanntschaft von einigen englisch-sprechenden Dänen gemacht, wir zogen nach dem Konzert um die Häuser und dort machte ich dann die Bekanntschaft mit dem dänischen Starkbier mit dem imposanten Namen : White Elephant.

 

Da das Bier teuer ist, trinkt man Starkbier in Dänemark , unbedarft wie ich war , genoß ich wohl einige ungeachtet der fulminanten Wirkung dessen , ich hatte einfach keine vergleichbare Erfahrungen gemacht, der Abend verschwimmt geistig etwas vor meinen Augen, wenn ich heute zurück denke , die Bekanntschaft mit einer jungen Dänin , die mir zugetan war , später mit einigen Gleichgesinnten auf der Suche nach der letzten offenen Bar , langen Irrungen durch Kopenhagen auf der Suche nach dem Heimweg , letztendlich eine kurze Nacht auf der Parkbank hinter Pauls Wohnung , da ich die Jungs nicht aus dem Bett läuten wollte ……. nice .

Ende des dritten Teils

Über Stan

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