Southside Festival 2012 – Tag 4 – Sonntag – Müll und Dosenpfand – eine Festivalphilosophie -oder analyse


Morgens wieder mit dem Shuttle angereist gegen 12 Uhr waren wir wieder oben und ich machte meiner Tochter den Vorschlag , am Eingang uns gleich das Müllpfand auszahlen zu lassen ; das Müllpfand schliesslich und letztendlich doch 10€ pro Person,  hatte man mit dem Ticket bezahlt und bekam man dann zurück, wenn man einen gefüllten Müllsack am Sonntag zusammen mit seinem Ticket an einer speziellen Abgabestelle  übergab. Nach erstem Zögern willigte Töchterlein dann auch ein , wir besorgten uns zwei Mülltüten und ich lief dann im Eingangsbereich auf einen Zeltplatz zu , wo ich einige Leute mit einem Lächeln nach einer Müllspende fragte . Mir gefror das Lächeln auf den Lippen , als die Leute mich verbal beschimpften und unter Androhung von Gewalt von ihrem Platz jagten. So,  so ist das also …… der Müll scheint wohl hier ein kostbares Gut zu sein, so wie sich Messis nicht von Ihrem Unrat trennen können, so entwickeln auch Festivalbesucher schnell eine Affinität zu herumliegenden Abfalldosen und Essensresten und verteidigen diese bis aufs letzte Hemd vor etwaigen Müllentsorgern. Ich war entsetzt , würden die Leute diese Sitte zuhause auch beibehalten ? , ist ein Rockfestival sozusagen die Einstiegsdroge für angehende Messis ?  Ne alles natürlich Quatsch , da habe ich jetzt gerade angefangen rumzuflachsen, nein eigentlich war ich entsetzt über die rüde Haltung von den  Leuten.  Auf Festivals pflegt man meistens einen anderen Ton , man könnte fast sagen- „mia casa e sua casa“ – jeder ist eingeladen an deinem Leben teilzunehmen , so habe ich das zumindest verstanden.  Während die hier entweder schlechte Drogen konsumiert hatten oder schlichtweg einfach nicht hier hierher passten oder einfach nur Riesenärsche waren. Ziemlich frustriert , aber nicht restlos desillusioniert ging ich weiter und kam an ein paar Leuten vorbei die direkt am Weg campierten und nahm nochmal allen Mut zusammen und fragte ob die mir etwas von Ihrem Müll abgeben würden – Man muss sich das mal geben , ich frage Leute ob ich Ihren Müll haben kann ; wo andernorts kein Schwein hinschauen würde , wenn du Müll auflesen würdest , da bettel ich hier  rum haha – unglaublich ! Ich erklärte dem Leuten was mir vorher passiert war und siehe da Sie konnten meine Festivalphilosophie einfach nur teilen und ein Mädchen drückte mir dann eine bereits gefüllte Mülltüte in die Hand – ich war zu Tränen gerührt – es besteht noch Hoffnung für die Menschheit !!! Zufrieden ging ich wieder vor das Gelände und wir holten uns das Pfand .

Achja ein witziges Detail in dieser Sache – kommt jemand auf deinen Platz und nimmt die Getränkepfanddosen mit, wird dieser nicht behelligt , obwohl diese Leute das ja kommerziell machen, sprich sich ne goldige Nase verdienen an der Wegwerfgesellschaft, man muss sich das mal geben- für wertlosen Müll wird man angepöbelt und nimmt jemand deine Getränkedosen mit, um sie zu versilbern, dann sagt kein Schwein etwas – ich sags nochmal , manchmal versteh ich die Welt nicht , das ist tatsächlich ein Paradoxon , dass ich da entdeckt habe. Achja ich hab den edlen Spendern noch ein kühles Getränk aus meinem Rucksack dagelassen,  sozusagen als Dank und als Zeichen, daß sich gutes Verhalten IMMER ÖFTER  irgendwann mal auszahlt, die waren alle total hin und weg und glücklich – so sieht das wahre Miteinander aus Leute , so und nicht anders !

Eigentlich wollte ich alles erledigt haben, bevor ich zum eigentlichen Festivalgelände gegangen wäre , also dachte ich auch,  es sei eine gute Idee das Zelt abzubauen und das gleich im LKW zu versorgen, vor allem deswegen , weil für den Abend Regen angesagt war. Nun meine Vorstellungen wurden nicht von den Mädels  geteilt, die wollten lieber gleich zum Konzert  , so musste ich das Zelt sozusagen fast alleine abbauen und zusammen mit den ganzen Vorräten,  später mit dem Handkarren und der Hilfe von zwei Jungs und meiner Tochter allein  auf den LKW verladen – tja Pech gehabt . Hier ergab sich noch ein weiteres Paradoxon für mich, daß ich mal so beschreiben möchte -wenn man etwas tut , was andere nicht wünschen bzw. du einfach den falschen Moment dafür erwischt , dann bist du selber schuld und hey ! !!!! Dank musst du dann nicht dafür erwarten. Das heisst für mich in der Zukunft , hebe deinen Arsch gefälligst erst , wenn den Anderen Ihrer auf Grundeis geht, dann kannst du auch wirklich erst Dank erwarten. Ist doch wirklich widersinnig  oder nicht ???  , man wird nur dafür belohnt, wenn man Anderen erst nach Auforderung Hilfe angedeihen lässt  , vorher nicht- je größer die Not umso größer die Dankbarkeit, und machste was aus eigenem Antrieb,  ist dafür die Wahrscheinlichkeit größer, daß du dir noch Feinde machst und Undank erntest für deinen Aktionismus. Ja da bestätigt sich mal wieder meine These – ihr erinnert euch an die Autosituation vor zwei Tagen haha – also wenn man etwas gut meint, heisst das noch lange nicht dass man auch etwas Gutes tut. Gut wird es erst, wenn letztendlich der Begünstigte tatsächlich einen Vorteil daraus gewinnt, ist das Ergebnis eher zum Nachteil für den Begünstigten,  so wendet sich das Blatt und du lädst dir mit deiner guten Tat sogar noch Schuld auf deine Schultern, denn was mischt du dich denn ein du NARR ?? DU HAST DOCH SELBER NIX DAVON , MANN !!!!

Nene so einfach mach ich mir das nicht, auch für die Zukunft müsst ihr immer wieder damit rechnen, daß ich euch unaufgefordert etwas Gutes tue ! BASTA !!!!! Scheiss auf euren Dank , ich klopf mir selber auf die Schulter !!!!!! ihr findet das seltsam  wenn sich jemand selber lobt ? ja ich auch , ich muss mal ernsthaft mit mir reden🙂

Ich komm jetzt einfach nicht mehr los von dieser Schiene, ich muss da noch ein paar Gedanken mit euch teilen- Festivals sind einfach etwas Gutes , dort werden definitiv Mauern aufgebrochen,  die jeder Mensch gewöhnlich  sonst um sich herum aufbaut. In einer Menschenmenge ist man normalerweise darauf bedacht einen gewissen Schutzkreis um sich zu ziehen da gibt es auch Studien darüber , wieviel cm jeder Mensch Abstand zu seinem Nächsten benötigt, um sich wohl zu fühlen , hier drückst du dich an den Unbekannten und spürst seinen Schweiss durch deine Kleidung und du machst dir nix draus- normalerweise würdest du niemals auf den Gedanken kommen jemanden Wildfremden aus deiner Bierdose trinken zu lassen- auf Festivals wirft man da wohl jeglichen Gedanken an Ekel über Bord- da geht die Dose  manchmal reihum. Normalerweise trinkst du dein Bier nicht lauhwarm – auf Festivals iss das doch normal Bier mit Körpertemperatur zuzuführen. An  Karneval regst du dich auf , über die verkleideten Spiessersäcke , die auf Kommando fröhlich sind – auf dem Festival rennst du als Glücksbärchen verkleidet rum und betrinkst dich sinnlos – ist doch nicht wirklich das gleiche oder ?? Normalerweise würdest du niemals drauf kommen ungefragt an den Tisch eines Fremden zu sitzen und ihm ein Thema aufzuzwingen- hier tust du das und gibst nen Scheiss drauf , ob dem anderen das passt oder nicht- schließlich bist du betrunken und darfst das . Normalerweise  zerstörst du nicht den Besitz anderer , sondern ärgerst dich wenn irgendwelche assozialen Elemente hirnlos Sachen beschädigen – auf Festivals gehört es zum guten Ton , wenn man am letzten Tag alles weghaut was einem vor die Eisenstange kommt. Weltlicher Besitz ist doch etwas Vergängliches ^^  ich komm schon noch drauf , wie das Prinzip genau aussieht – warum auf Festivals alles erlaubt ist und die Perspektiven so verrückt sind –  ich komm schon noch drauf ^^Ich denke es liegt daran, daß man sich einfach temporär einen Freiraum schaffen kann, der lediglich von einer geringen Anzahl von Securitys gestört wird. Würde das alles im gewohnten Rahmen zuhause vor der eigenen Tür passieren , die Anzahl derer die das mit großen Bedenken quittieren würde , wäre entschieden größer. Ich sag ja schon immer , es gibt eine große Anzahl von Leuten die sich die Anarchie wünscht,  aber nur einer geringe Anzahl von Menschen die tatsächlich in der Lage wären  in der Anarchie zu leben und Ihrer würdig wären – ihr wisst was ich meine .

So kommen wir zurück zum Geschehen , ich hatte tatsächlich nach dieser Aktion den Kopf frei , zumindest einer ^^ und konnte den restlichen Tag geniessen , ohne darüber nachdenken zu müssen, wie ich noch irgendwas,  irgendwie unterzubringen  hatte , insoweit ging mein Plan auf . Der Sonntag bot noch einige Highlights wie zum Beispiel Casper , ich dachte immer,  der könnte kein Riesenpublikum mitreissen aber gute Texte funktionieren immer . Eagles of Death Metal boten auch ein großes Programm und waren besser als geahnt . Rise against kannte ich bereits vom Taubertal festival 2011 , aber die Kulisse war einfach nicht so gut wie in Rothenburg , das war damals um Längen besser . Sportfreunde Stiller waren gut , aber eben auch nur das . und Sebastian , ein französischer DJ war dann auch der letzte Gig auf dem diesjährigen Southside bevor wir die Heimreise antraten , Blink 182 traten dann ohne uns auf , aber irgendwann hat eben alles sein Ende . Mal sehen ob das Southside mich mal wieder sieht, wenn überhaupt dann nur als Dauergast mit Zelt , diese Hin und Her Reiserei ist Stress pur und versaut dir das ganze Festival Feeling . Hastalavista Southside auf ein nächstes Mal !

Über Stan

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